Dienstag, 10. Oktober 2017

MYC

MYC - unsere erste Melusi Youth Conference hat am Freitag in Melusi stattgefunden.

Welch ein Unterschied zur Jugendarbeit in Deutschland:
Wir haben in der Woche vorher vielleicht 100 Handzettel in den Townships verteilt. DinA 6. Word-Design. Selbstausgedruckt.

Doch als ich am Freitag zum Shuttel nach Craiside einbog, um Kids einzusammeln, warteten mindestens 80 Kids auf mich.
Und das war nur ein Township.

Insgesamt kamen 317 Kids nach Melusi.  Zusammen mit dem Team und den Residents waren über 400 Leute in Melusi.
Die Stimmung war gigantisch. XXL Kreistänze und Spiele eröffneten den Tag vor der Kirche. Im Programm wurden wir vom Kempten Park Team unterstützt, einer Jugendgruppe aus Johannesburg, die die ganzen Herbstferien in Melusi verbracht hatten.
In der Kirche folgte eine Worship-Session und ein thematischer Impuls über Gott, der gleichzeitig König und Vater für uns ist. Später schlossen sich Workshops an, bevor der Tag mit einem gemeinsamen Abschluss in der Kirche endete.
Logistisch gab es so manche Herausforderungen. Die 700 Hotdogs reichten zwar für die Kids, aber nicht fürs Team. Vor dem einzigen Dixi-Klo, betreut und gereinigt von Mama Maria, bildete sich eine seeeehr lange Schlange - aber die gute Laune hat das niemanden genommen.
Auf den Rückfahrten war es immer wieder schwer, die Kids zum Aussteigen zu bewegen - dieser Tag sollte einfach noch nicht vorbei gehen. Zum Glück ist die nächste MYC schon geplant: Im Sommer - am 15.12.2017. Wir freuen uns drauf!

Freitag, 6. Oktober 2017

Lehrreiche Urlaubserfahrungen 2

Der indische Ozean ist 74,3 Millionen qkm groß.
Er hat zu dieser "kalten" Jahreszeit in Sodwana Bay ca. 24 Grad C Wassertemperatur, eine tolle Brandung, einsame Sandstrände und wenn man mit Taucherbrille und Schnorchel unter die Oberfläche des klaren Wassers schaut, wähnt man sich fast in einem Aquarium, wegen der vielen bunten Fische.
Wer, um alles in der Welt, würde da in einen max 7x4m großen, max 20 Grad warmen "Pool" steigen, auch wenn der zu unserer Ferienhütte dazugehörte?
 
WIR jedenfalls nicht!
Auch wenn es am Samstag, unserem ersten Urlaubstag in Sodwana Bay, etwas stürmte und (erstmals in Südafrika) dauerhaft regnete. Nun - an der Nordsee, dachten wir uns, geht man ja auch bei solchem Wetter ans Wasser. Also packten wir unsere Schwimmsachen ein, stiegen in unser Auto und zogen los. Nach 4km Dünenlandschaft hatten wir den Strand erreicht.
Fast erreicht.
Denn es trennte uns ein Security-Häuschen mitsamt Schranke vom Ziel. Sodwana Bay liegt in einem privaten Naturreservat. Und dafür zahlt man Eintritt. Dass der Security-Dienst jedoch 370 Rand (25€) von uns verlangte, konnten wir nur schwerlich glauben.
Man erklärte uns, dass der Trick darin liege, für 800 Rand (55€) eine "Rhino-Card" zu kaufen, die ein Jahr lang gültig ist und Zutritt zu diesem und einigen anderen Reservaten gewährte.
Den Park umfahren kann man nur mit Geländewagen oder mit einem 1,5 Stunden Trip gen Süden.
Zähneknirschend willigten wir ein und verlangten die Rhino-Card.
Doch damit wurde es erst wirklich kompliziert.

Denn...
...die Rhino Card verkaufte nur die Rezeption IM Park, nicht der Secutity-Dienst am Eingang. Um dorthin zu gelangen, verlangte man von uns die volle Tagesgebühr, für das Auto und alle 7 Insassen. Jeder Widerspruch war zwecklos.
Wir fühlten uns sehr an unsere Visumsanträge erinnert und kehrten um. Aber aufgegeben hatten wir noch nicht. Ich setzte meine Mitfahrer an einer netten Eisdiele ab, holte zur Sicherheit unsere Pässe aus der Unterkunft, kehrte zurück zur Schranke und verlangte Einlass um die Card zu kaufen. Unter keinen Umständen waren sie bereit, das Auto ohne Bezahlung durchzulassen. Also musste ich außer Sichtweite der Securitys verborgen parken und man ließ mich zu Fuß "durchschlüpfen". Die Rezeption war gut 15 Minuten Fußweg entfernt. Der Regen wurde stärker.
Ich joggte ein Stück, kam mir damit aber dann auch bald zu doof vor. Irgendwann erblickte ich das Gebäude, in dem zwei Beamte nur auf mich zu warten schienen. Erfreut über die Abwechslung an diesem Tag begrüßten sie mich: "How are you?" - "Wet!" war meine Antwort.
Ich verlangte die Rhino-Card, die prompt vorbereitet wurde.
Doch dann rechnete die Dame den Preis aus: 1250 Rand (85€).
An dieser Stelle muss ich wie einer der Fische geguckt haben, die ich mir eigentlich beim Schnorcheln hatte anschauen wollen. Es dauerte jedenfalls einen Moment, bis ich wieder Wörter aus meinem Mund brachte.
Aber es half wenig. Der Security Dienst sei halt privat, schlecht informiert und nicht Kooperationbereit. Aber ändern konnte mein Gegenüber am Preis nichts.
Ich verzichtete auf die Rhino Card - und zumindest organisierten die Beamten einen Fahrer, der mich wieder zum Gate brachte.
Zurück an der Eisdiele trank ich einen Cappuccino, bevor wir dann später noch in unserem wunderbaren ca 28qm großen, erfrischenden Pool am Ferienhaus badeten.

P.S: Am nächsten Tag erlebten wir dann jedoch auch noch das Kontrastprogramm an einem wunderbaren Sonnentag im Indischen Ozean - zum Tagespreis 😎
































Donnerstag, 5. Oktober 2017

Urlaub

Am letzten Septemberwochenende erlebten wir unseren ersten "Urlaub" hier. Es war ein langes Wochenende, denn Sonntag war Feiertag. Und die Südafrikaner haben die praktische Angewohnheit, ihre Feiertage, wenn sie aufs Wochenende fallen, einfach auf den Montag zu legen. Wir können also noch so einiges von ihnen lernen...
Wir fuhren an die Küste, nach Sodwana Bay.

Knapp 350km Nordöstlich. Laut Google 4,5 Stunden, in realer Zeit aber 7 Stunden, denn einige unbefestigte "Dirt-Roads" legten sich uns in den Weg, auf denen sich unser Mercedes nicht wohl fühlt. Das nächste Mal müssen wir bei der Routenplanung also noch genauer hinschauen.... Wir können noch einiges lernen...
Auch sonst war die Urlaubsreise von vielen Lernerfolgen geprägt. Davon an anderer Stelle mehr.
Stattdessen haben Luca und ich hier eine Slidesshow zusammengestellt, die von unseren bisherigen 3 Safaris erzählt. Die erste direkt hier in Dundee mit dem Safari-Jeeb, die zweite in einem Reservat ca 45 min von hier und die dritte und größte auf der Rückfahrt von der Küste durch dem Hluluwe-Park, dem ältesten Reservat Südafrikas. Viel Spaß!




Dienstag, 19. September 2017

Melusi United

Fußball ist Leidenschaft.
Weltweit....

...und doch sind die Fußballwelten sehr unterschiedlich.

Melusi hat fünf Fußballteams und einen Headcoach. Und obwohl Bongikosi mit jedem seiner Teams mitfiebert, jeden Sieg feiert und nächtelang über die richtige Taktik und Traininsmetthode nachdenken kann, ist Fußball für ihn nur das Werkzeug.

Das Ziel ist es, das Licht Gottes in das Leben dieser Jungs und jungen Männer zu bringen.
Ich (Timon) darf die U13 trainieren, manchmal schaut dabei in Craigside sogar die ein oder andere Kuh vorbei - doch mir fehlt die Erfahrung, um denen das nötige Ballgefühl vermitteln zu können.

Dario und Luca gehören auch zu diesem Team, das montags und dienstags trainiert.


Besonders aufregend wird es aber an den Spieltagen. In der vergangenen Woche spielten die Ü17 gegen den Tabellenführer am letzten Spieltag um den Sieg in ihrer Liga. Das Highlight des Spiels (1-1) war für mich schon vor dem Anpfiff. Denn die Fangesänge werden nicht den Zuschauern oder gar irgendwelchen Cheerleadern überlassen - das übernehmen die Spieler hier selbst. Das Video zeigt den Moment vor dem Anpfiff, als beide Mannschaften aufs Spielfeld kamen...







Donnerstag, 14. September 2017

Township 2

Neunmal in der Woche ist ein Team aus Melusi in einem der Townships aktiv.
Mittwochs zieht Dana zum Outreach nach "Dlamini", einer der überwiegend informellen Siedlungen, die theoretisch jederzeit von der Regierung eingestampft werden könnten. Daher ist es auch verboten, mit festem Ziegeln als Baumaterial zu bauen - nur "provisorische" Häuschen aus Lehm und Wellblech sind erlaubt.

In Dlamini lebt Mama Maria (links). Samstags versammelt sie regelmäßig Kinder in ihrem Häuschen, die sie dort versorgt und übernachten lässt - um sicher zu stellen, dass die am Sonntag mit ihr zusammen zum Gottesdienst kommen. Also besucht das Team sie regelmäßig, liest mit ihr zusammen in der Bibel und lässt einige Lebensmittel dort.


Vor zwei Wochen fragte Mama Maria: Warum singen wir eigentlich nie zusammen?
Also hatte das Team beim nächsten mal eine Gitarre dabei und es entstand eine Lobpreissession, die Nachbarn kamen dazu und füllten jeden freien Fleck im Haus. Alle waren begeistert und Stephan sagte am Ende: Wir sollten ab jetzt jeden Mittwoch einen solchen Gottesdienst hier feiern...
Ein Satz, der bei Mama Maria gut ankam. Als das Team am nächsten Mittwoch zu Mama Marias Haus kamen, war alles vorbereitet. Plastikstühle waren zusammengetragen worden, zwei große Töpfe mit Maisbrei und
Soße gekocht. Es wurde Gottesdienst gefeiert.
Immer mehr Leute kamen zusammen. Die Erwachsenen versammelten sich zur Bible Study in dem einen Raum, die Kinder hörten Geschichten und spielten nebenan. Dann wurde getanzt und gesungen. Und schließlich gegessen.
Eine neue Gemeinde. Ein Stück Himmel in Dlamini - so einfach. So schön....



Mittwoch, 13. September 2017

Township 1

Das normale Leben

Noch immer sind die Wohngebiete in Südafrika stark getrennt. Auch wenn mit dem Ende der Apartheit 1994 alle gesetzlichen Vorgaben verschwanden, die regelten, welche Rasse in welchem Gebiet leben durfte, besteht die soziale Trennung häufig immer noch.
Bevor wir nach Dundee kamen, war ich davon ausgegangen, dass vielleicht noch 20 oder 30% der Bevölkerung in den Armenvierteln, den Townships, leben. Mittlerweile weiß ich, dass es eher 70% sind, die auf engsten Raum, häufig in selbstgebauten Baracken aus Lehm, Wellblech und einfachen Ziegeln gebaut, leben.
Dabei gibt es die offiziellen Townships, die mittlerweile zumeist über Wasserleitungen und manchmal auch über Strom verfügen. Doch es gibt, angrenzend, auch viele neuere,  informelle Settelings, in denen eine Wasserpumpe und ein paar Toilettenhäuschen ein ganzes Viertel versorgen.

 Diese entstehen immer wieder neu, weil der Bevölkerungswachstum in den armen Vierteln anhält und Landflucht und Migration die Menschen in die Städte treibt. Gekocht wird dort oft auf durchlöcherten Blechtonnen, in denen alles als Brennmaterial dient, was  da ist. So sind Verbrennungen bei Kindern die mit Abstand häufigstenVerletzungen,

zumal es oft auch die älteren Geschwister sind, die die Familie zu hause versorgen müssen.
Der Müll stapelt sich denn anstelle einer Müllabfuhr treten allenfalls soziale Projekte, die manchmal Lebensmittelpakete verteilen können, wenn die Frauen ihnen Säcke mit Plastikflaschen oder Pappe bringen.
Kleine Tuck Shops (Kioske) versorgen die Townships, da der nächste Supermarkt oft eine Stunde Fußweg entfernt liegt. Denn die Townships sind von der Apartheitsregierung Abseits der Stadtzentren gebaut worden.
Leider gibt es in diesen Tuck Shops oft auch den Alkohol und andere Substanzen zu kaufen, die das Leben der Väter, Familien und der Jugendlichen immer wieder neu zerstören.


Dieses Ausmaß der Armut haben wir nicht erwartet, und auch wenn uns die Menschen und ihre Lebenssituation langsam vertrauter wird, auch wenn wir kleine Oasen des Lebens in diesen Siedlungen entdecken, auch wenn wir wundervolle Begegnungen mit den Menschen dort haben - sind wir bei jedem Besuch in unserer eigenen Lebenswelt aufs neue erschüttert.


Montag, 11. September 2017

Arbeiten in Melusi

Von manchen Dingen gibt es in Melusi ja nicht so viel, wie im reichen Deutschland....

Arbeit jedoch gibt es wirklich genug....!

Das Herzstück von Melusi ist der Garten. Hier sind einige unserer "Residents" (gut 20 Männer, die aus der Obdachlosigkeit heraus nach Melusi gekommen sind) und auch Teammitglieder täglich beschäftigt. Aber nicht nur die.

Rund 15 "Food for Worker" 
kommen zweimal wöchentlich, um dort vormittags zu arbeiten und gehen mit einem gut gefüllten Essenspaket nach hause - so dass sie ihre Familien ernähren können. Da die Arbeitslosenquote in Südafrika bei 25% liegt und es praktisch keine Sozialhilfe und nur 300 Rand (20€) Kindergeld pro Monat gibt, kann das überlebenswichtig sein .


Chef im Garten ist seit einem halben Jahr Peter (links). Er ist selbst Resident in Melusi, ist aber auf einer Farm groß geworden und hat von daher jede Menge Wissen, vorallem aber das Herz für kleine Details, liebevolle Pflege und gutem Ertrag aus den wirklich knappen Ressourcen.

Aber auch für die anderen Residents und Teammitglieder gibt es genug zu tun. Dafür sorgt vor allem Thomas (rechts unten an der Schleifmaschine) in der Werksatt, der die meisten handwerklichen Herausforderungen des großen Geländes und des Gebäudebestands bewältigt: Da werden Dächer gedeckt, Häuser umgebaut, Wasserleitungen geflickt, Gründstücke eingeebnet. Da kann es aber auch mal passieren, dass morgens auf einmal ein Loch in einer Wand auftaucht. Denn alle älteren Gebäude hier sind noch ohne Fundament gebaut, so dass sich Wände verschieben, Spalten bilden oder Steine herausfallen können. Doch wo ein Problem ist, ist immer auch eine Lösung....
Was genau gemacht wird hängt auch von den "Donations" ab, die uns angeboten werden. Ein Bauer hat Gülle über (die bei dieser Wärme und Trockenheit hier zum Glück fest und nicht flüssig ist). Dann wird sie geholt, um den Boden zu verbessern. Bietet uns jemand Erde an wird Erde gefahren. Zum Glück findet sich dazu manchmal auch ein Bagger oder ein LKW und viele Helfer.

Ein Highlight ist es, wenn die Molkerei Sahne spendet, die dem Verfallsdatum nahe ist. Dann schlagen die Frauen aus dem Food for Work- Programm mit Schneebesen daraus Butter, häufig mit Gesang und Lobpreis - voll Vorfreude über den kleinen Vorrat an dem edlen und wertvollen Fett.



Auch andere Überraschungen gibt es hier zu bestaunen. Dana zum Beispiel arbeitet manchmal in der kleinen Nähstube, um Deckchen oder Bezüge fürs "Hospitality-Team" zu Nähen. Die Nähmaschine kam ihr gleich vertraut vor. Kein Wunder, denn das gute Stück ist "Made in GDR"

Arbeit gibt es in Melusi viel. Vielseitig, improviesiert, manchmal chaotisch und auch nicht immer effektiv. Aber immer wertvoll, gemeinschaftlich und gemeinnützig.


Ein Südafrika-Abend

Das Jahr ist vergangen. Viel zu schnell.  Mittlerweile hat sich aber unsere Trauer etwas gelegt und wir schauen in manchen Momenten fassu...