Mittwoch, 19. September 2018

Ein Südafrika-Abend

Das Jahr ist vergangen. Viel zu schnell. 

Mittlerweile hat sich aber unsere Trauer etwas gelegt und wir schauen in manchen Momenten fassungslos und dankbar zurück. Was haben wir nicht alles erlebt!
Wir laden dich herzlich ein mit uns gemeinsam zurückzuschauen auf unsere Erfahrungen bei einem

Südafrikaabend
am 3. Oktober
17.00 Uhr
im Lutherhaus (oder evtl. im neu umgebauten Checkpoint nebenan)

Bringt bitte, so wie wir es in Melusi oft gemacht haben,
selber kleine Snacks/Fingerfood mit.
Getränke besorgen wir.

Wir freuen uns auf euch!





Freitag, 6. Juli 2018

Ganz weit weg und doch so nahe


Fast 12 Monate sind nun vergangen, seitdem wir erstmals südafrikanischen Boden betreten haben. In vielem schließt sich ein Kreis. Das Land ist wieder trocken, mehr als ein Monat ist seit dem letzten Regen vergangen. Das Gras ist gelb, unterbrochen von schwarzen Streifen verbrannter Erde. Die Nächte sind kalt und wir beginnen wieder ans Packen zu denken.

Am 13.8. fliegen wir abends zurück nach Frankfurt.

Ganz besondere Momente in den vergangenen 12 Monaten waren die Besuche aus Deutschland.
Es war ein absolutes Highlight mit euch unsere Erlebnisse und Erfahrungen zu teilen, euch an unsere Lieblingsorte mitzunehmen und vorallem den Missionsalltag gemeinsam zu erleben.

Den Anfang machte im November Jonas Weiß, Sohn unserer Kindergärtnerin. Er hatte fünf Monate in Bloomfontein, fünf Stunden von hier, in einem katholischen Orden mitgelebt. Melusi schloss ihn in den 10 Tagen seines Aufenthalts sofort ins Herz, und umgekehrt ebenso. Die Erfahrungen hier haben ihn geprägt und verändert, wie er noch jetzt sagt.
Auf den Januar fieberten alle sechs Tesches regelrecht hin.
Miri und Reimund kamen aus Iserlohn, mit ihrer ganzen Begeisterung, großer Neugier und einem ganzen Koffer voller Weihnachtsgeschenke.
Gemeinsam kämpften wir mit Affen auf einem Campingplatz am indischen Ozean, beobachteten Krokodile und Hippos, genossen Gottesdienste und Outreaches und winkten ihnen dann zu ihrer Weiterreise nach Kapstadt hinterher.

Im März war dann Familiy-Time.
Danas Eltern hatten sich tatsächlich wagemutig auf den weiten Weg durch die Luft zu uns gemacht.
Fast drei Wochen verbrachten wir zusammen zunächst in Melusi, dann auf erfolgreicher Großwild(Foto-)Jagt am Krüger und erneut am indischen Ozean in St. Lucia, bevor auch sie alleine weiter nach Kapstadt flogen.

Relativ kurzentschlossen zogen dann im Juni Meike und Linda Sadowski aus unserer Gemeinde noch nach. 10 Tage hatten sie sich freigeschaufelt.
Eine unvergessliche Zeit, die mit einer ungewollt ausgedehnten Wanderung in den Drakensbergen begann und anschließend von Avocados, Zuckerrohr und verschiedenen Löwenbegegnungen geprägt war.
Doch auch für sie gehörten die Outreaches und Begegnungen mit den Menschen in den Townships zu den bewegendsten und prägensten Erinnerungen.



Eure Anteilnahme, sei es durch einen persönlichen Besuch oder durch die vielen kleinen Lebenszeichen per Massanger, Post oder sms sind ein Schatz, der unser Afrika-Abendteuer ungemein bereichert. Denn es tut sehr gut zu wissen, dass es mit euch Menschen gibt, die uns nah sind, auch wenn tausende Kilometer zwischen uns liegen. Ihr ward und seid uns in Gedanken und Gebeten sehr treue Freunde - und dadurch letztendlich auch der wichtigste Grund für uns, Iserlohn weiterhin treu zu bleiben.

Montag, 18. Juni 2018

Dundees Straßen brennen

... titelte die Lokalzeitung Courier schon am 1. Juni 2018. Doch das war nur der Beginn einer ganzen Serie von Unruhen in den Straßen rund um Melusi herum. Einer der Auslöser ist ein Ereigniss, dass wir eher in einem sorgsam gestrickten Polit-Thriller oder vielleicht im Tatort vermuten würden: Mit großem Aufgebot einer überregionalen Polizeieinheit wurde zuvor der erst 31 jährige Bürgermeister von Dundee, Richard Mbatha, verhaftet.
Auf unserem Kalender im Büro sind sie noch "Vereint im Wohlstand": Bürgermeister Mbatha rechts, der eines Mordversuches an Sprecherin Mbatha-Makhathini beschuldigt wird
Er wird beschuldigt mit zwei weiteren Komplizen einen Mord an seinem Parteimitglied, der Regierungssprecherin Bongiwe Mbatha-Makhathini, geplant zu haben.
Als Motiv wird eine möglicherweise korrupte Auftragsvergabe mit dem jährlichen Volumen von rund einer Millionen Rand (75000€) vermutet. Die Sprecherin hatte sich vehement geweigert, dem zuzustimmen.
Zu Beginn des Jahres war zuvor ihr Leibwächters während des Dienstes aus bisher ungeklärten Gründen erschossen worden.
Schon seit Monaten häuften sich Proteste und Unmutsäußerungen der Bevölkerung. So wurde u.a. eine Schule vorübergehend von Eltern blockiert, weil das Gebäude zusammenzustürzen drohte und zum wiederholten male Kinder durch Schlangen auf dem Schulgrundstück verletzt worden waren.
Ein anderes Kind starb bei einem Verkehrsunfall, weil die seit Jahren angekündigten verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf der Durchfahrtsstraße nicht umgesetzt worden waren. Mehrere Townships klagten und protestierten, weil trotz gesetzlicher Verpflichtung die Wasser- und Stromversorgung in den Sieldungen nicht gebaut wird.
Diese Spannungen entluden sich in einem Protestmarsch in der vergangenen Woche, bei dem Straßen blockiert, Schilder und Geländer niedergerissen, Steine geworfen und Unbeteiligte attackiert wurden.
Richard Mbatha hingegen ist zur Zeit auf Kaution wieder frei, ob er verurteilt werden kann ist unklar.
Die Beweislage ist auch deshalb dünn, weil der Under-Cover-Agent, der ein konspiratives Gespräch der Beschuldigten aufzeichnen sollte, die Batterien seines Aufnahmegerätes nicht erneuert hatte.
Sollte der Bürgermeister tatsächlich ins Amt zurück kehren können, stehen sicher weitere Proteste bevor.
Leider hören wir solche Geschichten hier nicht zum ersten Mal. Südafrika droht an vielen Stellen durch Korruption, Vetternwirtschaft und durch das Versagen der Aufsichtsbehörden vielerorts ins Chaos zu rutschen. Die Opfer sind wie immer zuerst die Ärmsten.

Um so wichtiger ist es, dass es Orte wie Melusi gibt, die Hilfe anbieten und für Werte wie Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Demut stehen.


Mut machte uns allen heute im Gottesdiesnt beim Gebet für Dundee, mit dem eigenen Blick nicht bei dieser Situation um uns herum hängen zu bleiben. Stattdessen schauten wir auf das, was wirklich zählt und was in Hebräer 13,14 so treffend ausgedrückt wird:
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die Zukünftige suchen wir.

Sonntag, 10. Juni 2018

Weites Land und enge Blickwinkel

Auf dem Papier spricht die Statistik eine deutliche Sprache:

70% der Landfläche Südafrikas ist im Besitz der 10% Weißen. Die ungleiche Verteilung hat einen langen geschichtlichen Hintergrund, von der friedlichen Besiedlung weißer Einwanderer im 17. Jahrhunder bis hin zu manchen Enteignungen in den Jahrzehnten der Apartheid. Ein Problem, das das Land tief spaltet und in dem man sich, so wie der die politische Spitze des ANC zur Zeit, nur schwer des Reflexes entziehen kann, der wohlhabenden Minderheit schlicht und einfach das Land weg zu nehmen. Ohne Entschädigungszahlungen.

Am vergangenen Wochenende besuchten wir eine solche Farmfamilie. Die Talandas sind deutstämmg, ihre Vorfahren sind 1853 als lutherische Missionare aus Hermannsburg nach Südafrika gekommen. Ihre zwei Jungs (Kai, 9 Jahre und Alex 6 Jahre) besuchen mit unseren Kindern die Grundschule.
Nicola Talanda blickt in die Weite
30km hinter Dundee bogen wir  auf dem Weg zu ihnen von der Asphaltsstraße ab. Mehr als 20 weitere Kilometer fuhren wir auf unbefestigten Straßen, hinter uns eine große Staubwolke ziehend auf ein einsames Haus am Fuße eines Hügels zu.
Die elektrische Versorgung der Farm kommt ausschließlich von Solarzellen und Generatoren. Das Gelände umfasst weites trockenes Land, an dem einige Wasserstellen gegraben wurden und auch einen Berg. Johann Talanda, der Vater von Kai und Alex sagt, seine Farm ist sehr klein. "Nur" 450ha (der Durchschnittsbauernhof in NRW hat eine Größe von 41ha), 110 ha sind mit Mais bewirtschaftet, als Futter für die gut 400 Rinder. Eine kleine Schafherde, einige Schweine, Hühner, Pferde und Limonenbäume komplettieren das Bild, ebenso wie die Hütten der Arbeiter, in den einige Zulu Familien leben. Geerntet wird nur einmal pro Jahr, weil das Wasser knapp ist und die langen Trockenphasen zwar gut sind um den Mais noch auf dem Feld zu trocknen, aber einen weiteren Anbau trotz guter Temperaturen im Winter unmöglich machen.

So reicht das geerntete Futter nicht, um die Rinder zu versorgen, es muss zugekauft werden und der größte Teil des Profit verschwindet wider. Halten können die Talandas den Bauernhof nur, weil er als Ingieneur einem Beruf nachgeht und mehrere Monate des Jahres u.a. in Deutschland ist, zur Inbetriebnahme von Fabriken und neuen Maschinen.

Investitionen in die Farm, in neue Maschinen und Bewässerung sind ein hohes Risiko, denn die politische Lage, die mit den Traum vieler Armer spielt, reich zu werden, wenn sie nur auch so eine Farm hätten, verunsichert.
Trotzdem versuchen die Talandas weiter Land hinzuzukaufen, um eine betriebswirtschaftliche Größe zu erreichen.
Sicher könnten die Talandas die Farm auch einfach aufgeben, vom Ingieneursgehalt leben und in ein Haus ziehen, das nicht 40-50 Fahrminuten von der nächsten Schule oder dem nächsten Geschäft entfernt ist. Doch bei unserem Besuch verstanden wir, warum sie dieses Leben wählen.
Für unsere Kinder war es ein Erlebnis, das jeden Freizeitpark übertraf. Sie schossen mit dem Luftgewehr auf Plastikflaschen, fuhren mit der Kutsche, kletterten hoch auf den Silo-Behälter und rasten hinter Kai und Alex auf den Quads über die Farmwege. Sie fütterten zwei Lämmchen, die ihre Mutter verloren hatten, mit der Flasche und ließen sich auf der Ladefläche des Geländewagens den Hausberg hinaufschütteln.

 So erweitete sich mit der Erfahrung auf diesem weiten Farmgelände, auch unser Blick auf die Lebensumstände in diesem Land. Welch eine Erfahrung.

P.S.: Erfreulicherweise hat gerade in den letzten Tagen der neue Präsident Südafrikas, Cyril Ramophosa in einer Rede versichert, keine bewirtschafteten Flächen und Betriebe zu enteignen sondern nur brachliegende Ländereien in die Hand der armen Schwarzen Bevölkerung zu geben. Vielleicht können die Talandas so auch weiterhin ihren persönlichen Traum vom Leben verwirklichen....


Sonntag, 13. Mai 2018

A wedding experience

Der Reichtum und die Vielfalt dieses Landes, die verwirrend und beglückend zugleich sein können, erlebten wir hautnah bei der Hochzeit unseres Fußball-Missionars Bonginkosi und Nothando.

Es begann schon vor Monaten mit der "Lobola", bei gemäß der Zulu-Kultur mit der Familie der Braut der Brautpreis (11 Kühe) ausgehandelt wurde.

Am 4. und 5 Mai 2018 fand nun (unter anderem) in Melusi die Hochzeit statt. Schon die Vorbereitungen waren herausfordernd. So wurden u.a. zwei der elf Kühe für das Fest geschlachtet, eine davon direkt vor unseren Augen.

Vor den Augen der Gäste wird das Ehebett bereitet bevor die Braut ihrem Liebsten dann die Schuhe auszieht. Alles weiter wird dann jedoch jäh durch die Schwestern der Braut unterbrochen, die den "Endringling" mit geschrei und Schlägen aus dem Bett vertreiben....
Die weitere Choreographie sah in Kurzform so aus:
4.5.: Besuch der Familie des Bräutigams bei der Familie der Braut inklusive Geschenkübergabe fast eines halben Hausstandes.
5.5. Kirchliche Trauung in Melusi, danach eine etwa Viertündige Hochzeitszeremonie in einer Festhalle. Anschließend Gastbesuch der Familie der Braut bei der Familie des Bräutigams inkl. Geschenkübergabe des halben Hausstandes.

Viele Details auf diesem zermoniellen Weg wären es wert ausführlich beschrieben zu werden. Dennoch beschränken wir uns hier auf die Highlights, die sich durch alle Feiern zogen: gesang, Tänze und wunderschöne Kleider....








Donnerstag, 3. Mai 2018

Frozen shoulder

Anfang April begannen die Schmerzen.

Während wir im Urlaub mit Danas Eltern am Krüger waren, begannen Beschwerden in Danas linker Schulter. 
Erinnerungen wurden wach, denn vor etwa 5 Jahren hatte sie über viele Wochen so heftige Schmerzen, dass sie nur noch im Sitzen schlafen konnte.

Cortison-Spritzen und Krankengymnastik halfen damals endlich, seitdem war, auch dank Danas Disziplin im Sport- und Muskelaufbau, Ruhe. Doch nun ging es wieder los und die Schmerzen wurden langsam heftiger. Am 26.4. endlich ging sie zum Arzt. Die Bahandlung hier ist wirklich gut. So wurden trotz langem Wochenende in Südafrika sehr schnell Röntgen- und Ultraschall-Bilder gemacht, eine Spritze gesetzt und auch eine Krankengymnastin half, doch leider dennoch bisher ohne deutliche Verbesserung.
Spätestens am 21.5. hat sie nun einen Termn bei einem Schulterspezialisten in Pietermatritzburg, etwas 2 Std von Dundee. Die Ursache für die schmerzhafte Schultersteife (Frozen Shoulder) liegt wahrscheinlich in Kalkablagerungen, die wiederum den Entzündungsherd in den Muskelspitzen verursachen. Ein Problem, das vielleicht nur operativ gelöst werden kann. Die weiteren Untersuchungen werden es zeigen.
Zumindest hat heute unsere Krankenversicherung signalisiert, dass sie die Kosten tragen würden.






Alles weitere legen wir in Gottes Hand - danke für eure Gebete.

Sonntag, 29. April 2018

MYC 2018

Jesus-Light of the world
war das Thema der "Melusi Youth Conference" 2018.

Seit drei Jahren findet eine solche Jugendkonferenz in Melusi statt, dieses Jahr erlebten wir in vieler Hinsicht ein absolutes Highlight. Fast 500 Jugendliche füllten das Zelt bis zum letzten Platz und viele von ihnen gaben Gott ihr Leben.
Ihr ganzes Leben. Sie brachten auch ihr ganzes Leid mit. Die Dunkelheit, in der sie leben.
Viele von uns Mitarbeitenden waren mehrfach zu Tränen bewegt, erschüttert und fassungslos. Das Ausmaß an Leid, Gewalt und Armut, in der diese jungen Menschen groß werden, wurde für uns für einige Momente durch das was sie in Gruppen und Einzelgesprächen erzählten, erlebbar.
Wir sehnten uns für sie nach Wundern, die ihre Situation zu hause einfach mit einem großen Blitz oder Donner verändern. Und doch wissen wir, dass solche Wunder fast immer ehr in einem kleinen Flüstern, langsam und als Prozess passieren.
Eine Spannung, die kaum auszuhalten ist.

Und dennoch geben wir die Hoffnung nicht auf. Denn wir haben die Gesichter gesehen, die in diesen Tagen vom Licht Jesu erstrahlten.
Wir haben im Lobpreis Seite an Seite getanzt und gesungen.
Wir haben gebetet und erlebt, dass Jesus Mauern einreißen, Herzen bewegen und Seelen begeistern kann.
Und wir haben eine gemeinsame Sehnsucht: Dass sich das Licht von Jesus in dieser Welt weiter ausbreitet.


Der zweite Tag des MYC im Film:


Sonntag, 22. April 2018

Einbruch

God is good...
...ungefähr zur gleichen Zeit, während wir dieses Lied am Sonntag, 22.4. in der Kids Church lauthals mit den Kindern sangen, stemmten Einbrecher unsere Wohnungstür auf. Er oder sie hielt(en) sich nur kurz in unserem Haus auf, sie fanden das Versteck für unsere Comuter, Kamera und Handys nicht. "Nur" unsere beiden Portmonaies, die wir leider zuhause gelassen hatten.
Gut 1000 Rand (80€), Kreditkarten und einige Ausweiskarten nahmen sie mit. Ein überschaubarer Schaden.

Und dennoch ist es ein blödes Gefühl, Fremde im Haus gehabt zu haben, die theoreitisch jeder Zeit erneut kommen könnten.
Für Melusi ist es nur ein Einbruch einer ganzen Serie, in fast jedes Haus ist im letzten halben Jahr einmal eingebrochen worden. Nun zum zweiten Mal während des Gottesdienstes.
Nun werden wir Leute zum Security Dienst abstellen und in Kameras und Sicherheitssysteme investieren müssen. 

Die Ursache liegt natürlich in der Armut um uns herum, vielleicht auch darin, dass sich so manch einer von ihnen ganz gut in Melusi auskennt, weil er schon einmal hier war.
Dennoch werden wir nicht auffhören, für die Armen da zu sein. Denn das ist es, was Gott will.
Dennoch sangen meine vier Kinder beim Mittag das Lied, was sie noch als Ohrwurm von der Kids Church im Ohr hatten. God is good. All the time!






Sonntag, 15. April 2018

Abgeschnitten und allein gelassen

Das verstörendste an Südafrika sind die Gegensätze. Auf der einen Seite hat man die unfassbaren Wunder der Natur, auf der anderen Seite die ebenso wenig fassbare Hässlichkeit von Armut und Gewalt. Auf der einen Seite erlebt man ein Land, in dem Menschen im Wohlstand leben und alle "Errungenschaften" von Luxus und technischer Entwicklung verfügbar sind, andererseits lebt man neben Menschen, für die keine Grundversorgung haben.

Am vergangenen Donnerstag waren wir auf unserem outreach und besuchten einige Häuser, als uns drei Frauen ansprachen und baten in ein Haus zu kommen, wo ein kranker Junge lag.
Sie baten uns für ihn zu beten. Als wir in die kleine Hütte kamen, erschraken wir. Auf dem kahlen Boden lag dürftig zugedeckt ein junger Mann, offensichtlich nicht mehr ansprechbar. Die Mutter saß verzweifelt und lethargisch daneben. Wir fragten, ob sie den Krankenwagen gerufen hatten. Sie sagten uns, dass sie das seit morgens versucht hatten. Wir beteten für den Jungen und riefen dann die NOTRUFnummer 112. Fast zehn Minuten(!!!)  mussten wir uns durch automatische Ansagen und verschiedene Anschlüsse kämpfen, bis wir schließlich im Krankenhaus in Dundee gelandet waren. 
Sie versprachen einen Krankenwagen zu schicken.
Obwohl wir der Stimme in der Leitung nicht ganz trauten, hofften wir, dass damit etwas erreicht wäre und die drei Frauen gingen zur Straße um Ausschau zu halten. Wir gingen unseren Weg weiter, denn mittlerweile hatten sich fast 30 Kids um unser Auto versammelt, die mit uns zum "Kids Club" fahren wollten, der der Höhepunkt des Outreaches ist.
Doch am nächsten Tag fuhren wir mit einem Essenspaket für die Mutter wieder in das Township. Wir erfuhren: Der Krankenwagen war nicht gekommen.
Der Junge hatte dennoch die Nacht überlebt und irgendwie haben es die Nachbarn geschafft, Hilfe zu organisieren, so dass die beiden den Weg zum Krankenhaus geschafft haben.

Denn wir wissen nicht was wir beten sollen, wie`s sich gebührt, sondern der Geist selbst tritt für uns ein mit unaussprechlichem Seufzen. Römer 8,26

Indiscribable

Man...die Auswahl fiel schwer.
Wir haben so viele Wunder der Schöpfung gesehen in unserem Urlaub im Krüger Nationalpark und in St. Lucia, dass wir euch 5 Stunden hätten zeigen können.

Nun sind es 5 Minuten geworden - ihr müsst sie euch anschauen, denn sie sind indiscribable... ;)

Dienstag, 10. April 2018

Familie zu Besuch

Ein ganz großes Geschenke bereiteten uns allen Danas Eltern Silvia und Wolfgang aus Leipzig mit ihrem Besuch. Eine ganze Woche blieben sie in Melusi und stellten sich mit uns in dieses Spnnungsfeld von Armut und Rechtum, Glaube und Leid, Mission und Lebensalltag. Sie begleiteten uns auf zwei Outreaches und ließen sich auch durch den Gottesdienst am Sonntag trotz Sprachbarriere spürbar bewegen.
Anschließend erkundeten wir gemeinsm den Krüger Nationalpark (6 Tage) und St Lucia am indischen Ozean (5 Tage). Wunderschöne Fotos entstanden, die wir euch hier auch zeigen werden. Ein ganz besonderes Highlight gibt es als Vorgeschmack: 

Die Begegnung mit einem Elefantenbaby

Zwischen einer großen Elefantenherde tauchte plötzlich dieser kleine Elefant auf. Sicher höchstens wenige Wochen alt und heftig damit beschäftigt, seine Gliedmaße zu koordinieren.
Schon eine halbe stunde nach der Geburt können die etwa 100kg schweren Babys stehen und müssen dann mit der Elefantenherde mithalten - denn diese läuft den ganzen Tag durch Büsche und Sträucher um ihren Tagesbedarf an 250kg Pflanzen zu decken. Das jedenfalls bleibt dem Baby erstpart. Im ersten Lebensjahr darf es noch bei Mama trinken - wenn er sie denn findet...



Samstag, 10. März 2018

Jarons Gruß an die 3d

Nachdem die Grundschulklasse von Jahron ihm gemeinsam einen etwas 20Seitigen Brief nach Südafrika geschickt hat, möchten wir uns revangieren.
Wir haben mit Jaron einen Film zusammengeschnitten, der viele seiner Highlights enthält. Wahrscheinlich hätten wir auch 90 Minuten zusammen bekommen - aber wir haben uns dizipliniert. Hier könnt ihr in knapp 17 Minuten in Jahrons afrikanische Welt eintauchen...


Mittwoch, 21. Februar 2018

In die Einsamkeit berufen


Lesotho. Inselstaat in den Bergen, lückenlos umschlossen von Südafrika. Mit einer Höhenlage zwischen 1390 und 3482m gilt es als höchstes Land der Erde.
Hier findet man den höchsten Berg, die höchste Passstraße und auch die höchste Kneipe des südlichen Afrikas.
Auf der Höhe von 3200m leben Terry und Martin.
Sie haben einmal in unserem Haus in Melusi gelebt, aber schon vor 17 Jahren mit ihren beiden Kindern Dundee verlassen, um in Pretoria in einem äußerst gefährlichen Township ein bemerkenswertes Projekt aufzubauen, das einst sogar vom US-Amerikanischen Senat gewürdigt wurde.
Doch vor 8 Jahren gaben sie das Projekt in andere Hände, weil Gott sie mit deutlichen Zeichen dazu berief nach Lesotho zu ziehen. Folgt ihr mir nach? Auch in die Einsamkeit Lesothos? Terry und Martin beantworteten diese Frage mit „Ja!“.
Die Hirten in den Hochebenen liegen ihnen am Herzen. Ein Junge jeder Familie, zumeist der Erstgeborene, hat die Aufgabe auf die Tiere aufzupassen. Die Schafe und Ziegen ernähren meist die ganze Familie, denn viele Haushalte sind reine Selbstversorger. Jedoch wachsen in diesen Höhen nur wenige Pflanzen. Daher werden die Tiere nicht in den Dörfern geweidet, sondern, fast wie bei Heidi und dem Ziegenpeter, über die kargen Berghänge geführt.
Mit vier Jahren beginnt seine Ausbildung indem er mit einem älteren Hirten mitzieht. Eine Schule besucht ein Shepherdboy nie. Mit etwa 10 Jahren ist er dann alt genug, um auf seine eigene Herde zu achten.
Sie schlafen in kleinen Unterschlüpfen, ernähren sich zwei bis dreimal täglich von Maisbrei und kommen nur hin und wieder in die Dörfer zu ihren Familien.
Für diese Hirten da zu sein, für sie zu beten, einen Schulraum zu bauen, in dem sie lesen, schreiben und rechnen lernen, und eine kleine Kirche, in der sie Gott begegnen können – dieses sind Gedanken und Träume, die Terry und Martin mit ihrer Mission verbinden.
Doch das Leben ist hart. Auch im Sommer frostet es in der Nacht, im Winter fallen die Temperaturen auf weniger als -15 Grad. Ist man weiter als 2-3 Meter vom kleinen Heizofen entfernt, friert alles ein, das nicht isoliert im – ausgeschalteten – Gefrierschrank verstaut ist. Den Heizofen zu bestücken ist ein weiteres Problem, denn man lebt schließlich fast 1000m oberhalb der Baumgrenze. Der nächste Einkaufsladen ist eine Stunde entfernt, bis zu einer Stadt fährt man 3-4 Stunden.
Also wird das Meiste selbstangebaut – mit viel Aufwand gewinnen sie dem Boden Möhren, Erbsen, Kürbis, Spinat, Kräuter und sogar Kartoffeln ab. Geerntet wird einmal, nach 4 Monaten Vegetationszeit, danach wird alles verarbeitet und eingefroren – es muss das ganze Jahr reichen.
Zum Glück zeigte Gott ihnen eine äußerst zuverlässige Wasserquelle auf dem von ihnen in Erbpacht erworbenen Berg, 900m von der Hütte entfernt. Auch ihre Schafherde hat mittlerweile eine stabile Größe. Zwei Schweine, zwei Küheund einige Hühner komplettieren den Tierbestand.Ein bis zweimal im Jahr besucht eine Gruppe aus Melusi die Beiden. Timon durfte zu dieser sechsköpfigen Gruppe gehören. Wer, wie Pastor Peter und Angeline, jährlich kommt, kann bezeugen, wie sich die Mission weiterentwickelt hat, wie Ställedie gebaut wurden, eine Solaranlage entstand, Gästehütten entstanden, die Herde wuchs
Doch vom Schulraum liegt bisher nur das Fundament und auch die Kirche muss noch warten. Auf Mitbewohner in der Carmel Community hoffen die beiden ebenfalls noch. Das wirft Fragen auf:

Sind sie enttäuscht, dass es nicht schneller vorangeht? Nun, sagen sie, dass sei schließlich Gottes Sache - das Tempo bestimmt er.
Zweifeln sie an dem Ruf? Nein, nicht ein einziges Mal.
Blick auf die Mission (Kleine Gebäude in der Bildmitte)
Und ist die Einsamkeit nicht eine schwere Herausforderung? Nun, das ist sie schon. Die Menschen fehlen ihnen. Doch andererseits sei auch noch nie in ihrem Leben Gott so präsent, so nah gewesen wie in diesen knapp acht Jahren in der Einsamkeit.
Und das letztendlich ist ja auch schon genug als Grund dafür, berufen zu sein.

Visionär mit Durchaltevermögen. Martin schaut hier jedoch nach Schakalen....

Blick aufs Schlafzimmer in der Hauptscheune
Lesotho - Land in den Wolken
Jessica, Tochter von Terry und Martin, die nach 7 Jahren Lesotho nun wieder in Dundee lebt


Legendärer Sani Pass: Unser Weg hinab

Der Sani Pass











Ein Südafrika-Abend

Das Jahr ist vergangen. Viel zu schnell.  Mittlerweile hat sich aber unsere Trauer etwas gelegt und wir schauen in manchen Momenten fassu...